Lemgo (hs-owl). Das Werkstoffprüflabor der Hochschule OWL in Lemgo hat ein neues Glimmentladungsspektrometer erhalten. Damit kann das Serviceangebot im Bereich der Oberflächenanalytik für Unternehmen in der Region deutlich ausgebaut werden. Bei der Anschaffung des Geräts wurde das Prüflabor von der Firma Weidmüller (Detmold) und der Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe finanziell großzügig unterstützt. In einer kleinen Feierstunde wurde das Analysegerät jetzt im Beisein der Sponsoren offiziell übergeben.
Prof. Dr. Andreas Niegel, der Leiter des Werkstoffprüflabors, bedankte sich bei den Partnern: „Wir werden das Vertrauen, das sie durch ihre Förderung in unsere Arbeit setzen, nach besten Kräften bestätigen.“ Die Kooperation soll vor allem durch gegenseitige Unterstützung bei Forschungs- und Entwicklungsaufgaben verwirklicht werden.
Ralf Hoppe, Geschäftsführer der Weidmüller Interface, begründete das Interesse an einer Kooperation mit den Werkstoffprüfern der Hochschule: „Mit der engen Zusammenarbeit betreiben wir zunächst Standortsicherung. Die Werkstofftechnologie ist eine der Kernkompetenzen bei Weidmüller, die wir in Detmold gebündelt haben. Mit dem Wissensaustausch stärken wir den Standort. Weiterhin sichern wir unsere Zukunft, denn mit der neuen Analysemethode können wir die physikalischen Eigenschaften der metallischen Einzelteile unserer Produkte weiter verbessern.“ Bereits seit zwei Jahren arbeiten das Werkstofflabor und Weidmüller eng zusammen. Darüber hinaus übernahm das Detmolder Unternehmen im vergangenen Jahr die Finanzierung eines wissenschaftlichen Mitarbeiters im Prüflabor.
Dr. A. Heinrike Heil, Geschäftsführerin der Stiftung Standortsicherung, sieht in der neuerlichen Unterstützung der Hochschule die Fortsetzung einer zielgerichteten Förderung. „Das neue Gerät setzt bei der Materialanalyse jenseits der Möglichkeiten des Rasterelektronenmikroskops an. Schon bei der Anschaffung dieses Mikroskops im Jahr 2006, dem seinerzeit teuersten Einzelgerät an der Hochschule, unterstützte die Stiftung die Hochschule. So war es für die Stiftung eine logische Konsequenz, auch bei der Beschaffung des Glimmentladungsspektrometers hilfreich zur Seite zu stehen, zumal mit dieser Anlage lippischen Firmen ein zusätzliches Analyse- und Forschungswerkzeug zur Verfügung gestellt wird.“
Mit dem Glimmentladungsspektrometer (GDOES - Glow Discharge Optical Emissions Spectroscopy) können Schichtdicken und Schichtzusammensetzungen bestimmt werden. Zur Orientierung: Das Gerät kann Schichten erkennen, die 100.000-mal dünner sind als ein menschliches Haar. Niegel: „Das GDOES ist ein eindrucksvolles analytisches Werkzeug für die Materialanalyse und Tiefenprofilanalyse in nur einem Gerät. An dem Punkt, an dem das Rasterelektronenmikroskop an seine quantitativen analytischen Grenzen kommt, beginnt die Auflösung der GDOES. Dieses Gerät ist damit in unserem Labor eine sinnvolle Ergänzung zu dem vorhandenen Rasterelektronenmikroskop.“
Die Analyse von Oberflächenschichten, Randzonen sowie Zwischenschichten gewinne zunehmend an Bedeutung, so Werkstoffexperte Niegel, der am Fachbereich Maschinentechnik und Mechatronik lehrt. „Für unsere Studierenden ist es besonders wichtig, an solchen Hightech-Geräten arbeiten zu können, um sich bestens auf die berufliche Praxis vorzubereiten“, meint Niegel.
Die Glimmentladungsspektroskopie habe sich als ein hervorragendes Verfahren ausgezeichnet. Bei galvanischen, chemischen, CVD- und PVD- Schichten, Passivierungen, Nitrierungen sowie Belägen kann mit Tiefenprofilanalysen der quantitative Verlauf der Elemente sehr genau bestimmt werden. Niegel: „Alle Elemente des Periodensystems sind detektierbar.“
Kein Zweifel: Durch diese hochwertige apparative Anschaffung wird die analytische Kompetenz des Werkstoffprüflabors erheblich gesteigert. Prof. Tilmann Fischer, der Präsident der Hochschule OWL, sieht die Hochschule weiter auf einem guten Forschungs-Weg und verwies auf den erst kürzlich vom Senat der Hochschule beschlossenen Forschungsschwerpunkt „Innovative Werkstoffe“. Dieser neue Forschungsschwerpunkt, zu dem, neben dem Werkstoffprüflabor, auch die Labore für Feinsystemtechnik (Prof. Dr. Jian Song) und Kunststofftechnik (Prof. Dr. Christoph Barth) gehören, erfahre mit dem Glimmentladungsspektrometer „eine außergewöhnliche apparative Bereicherung“.
Das physikalisch-analytische Großgerät ist derzeit das einzige Gerät im ostwestfälisch-lippischen Raum. Die Hochschule OWL hat hier also ein apparatives Alleinstellungsmerkmal.
 (v. l.) Prof. Dr. Andreas Niegel, Leiter des Werkstoffprüflabors, Ralf Hoppe (Geschäftsführung Weidmüller Interface), Dr. Eberhard Niggemann (Weidmüller Akademie), Prof. Tilmann Fischer (Präsident Hochschule OWL) und Dr. A. Heinrike Heil (Geschäftsführerin Stiftung Standortsicherung).
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